Eine C-22 im Anflug Piste 24 auf Naunheim

Arbeiten mit dem Strömungsabriß

Während die meisten UL-Fluglehrer / UL-Flugschulen den "Strömungsabriß" / "Stall" oder "überzogenen Flugzustand" nur nebenbei in ihrer Ausbildung erörtern und erfliegen, arbeiten wir permanent mit dem Strömungsabriß.


Es ist KEIN Kunststück, ein UL mit irgendeiner Fluggeschwindigkeit, auf einer 1.000m langen Piste (auch ohne Schleppgas) irgendwie und irgendwo dort hinzupflastern. Der Flugschüler / die Flugschülerin kommt bei einem 1.000m-Platz zwar schnell zum 1. Alleinflug und anderen Erfolgserlebnissen, aber spätere Probleme (z.B. bei Motorausfall u.ä.) sind so quasi schon vorprogrammiert. Denn ein vielleicht mal erforderliches Notlandefeld wird nicht unbedingt mal grade 1.000m lang und eben sein.


Das Kunststück mit einem Flugzeug (generell) ist: Die Mühle bei stehendem Prop in einem vorgegebenen Minimalbereich (unser Trainingsbereich: 150 x 15m) mit dem Strömungsabriß hinzusetzen. - Egal ob da im Ernstfall ein Flugplatz unterm Hintern ist, ein Kornfeld, oder sonstwas. - Bei uns MUSS das komplette Prozedere: Zum Platz hin perfekt anschweben / gleiten, um dann an der Schwelle den Bodeneffekt optimal ausnutzend und innerhalb 150m auszuflairen und zum Stillstand zu kommen. - Die wenigsten UL-Piloten und auch Fluglehrer, können dies und fliegen kurze Plätze wie unseren nur mit Schleppgas an. - Unsere Philosophie ist es, generell OHNE Schleppgas anzufliegen. Dies ist ein grundlegender Eckpfeiler in unserer Ausbildung, gilt aber selbstverständlich auch generell für alle anderen Flugbereiche. Siehe prominentes Beispiel: Notwasserung von Flugkapitän Chesley B. Sullenberger mit einem Airbus A-320 auf dem Hudson-River in New-Jork, am 17. Jan. 2009.


Jeder Acker ist länger, als der heimatliche
Flugplatz.

Kurzer Anflug auf kleine Piste

Piloten haben hier keine Zeit zum rumtrödeln. Die Platzrunde ist mindestens genauso schnuckelig, wie die Piste selbst. - Also klein, knapp und dauert z.B. mit einer C-22 nur ca. 2 Minuten.


Dies bedeutet: In 20 bis 25 Minuten machen wir locker 10 Starts, 10 Steigflüge, 10 Horizontalflüge, 10 Sinkflüge, 10 Landeanflüge, 10 Landungen, einschließlich der sich ständig wiederholenden Übergänge / Lastwechsel: Gas geben - Gas reduzieren / Nase runter - Nase hoch / Kurve einleiten - Kurve ausleiten und und und und und.


Die Vielfalt machts

An- und Abflüge erfolgen zu den unterschiedlichsten Windrichtungen (mit Gegen-, Rücken- und Seitenwind) und ständig wechselnden Windstärken. Turbulenzen sollen möglichst früh erkannt und berücksichtigt werden - wenn´s geht: Bevor man da reinfliegt. Auch fließen andere Wetterbedingungen (Luftdruck, Temperatur und Feutigkeit bezüglich Motor- und Flugleistung etc.) immer wieder mit in die alltägliche Flugvorbereitung mit ein.


Dies bedeutet für den Flugschüler / -in: Dauerstreß von Anfang an. Natürlich fliegen wir die Platzrunden zum ersten angewöhnen etwas großzügiger. Wenn dann aber die erste Routine in die Handhabung zum Flieger kommt, wird immer schärfer "geschossen", ohne das dies dem Flugschüler / der Flugschülerin überhaupt bewußt wird. - Bei Plätzen, wo die Platzrunde 6 bis 8 Minuten dauert, ist dieses Prozedere natürlich kein Problem. Man(n) / frau hat ja Zeit. - Nur benötigt man dann auch für 10 Platzrunden entsprechend viel Zeit (Charter, Fluglehrer, Sprit etc.).

Eine C-22 im Anflug Piste 06 auf Naunheim

Anflüge aus verschiedenen Positionen

Die Landeanflüge und Landungen werden aus den unterschiedlichsten Positionen und Höhen heraus und permanent ohne Schleppgas geübt und einstudiert. Durch immer wieder andere Windverhältnisse entstehen immer wieder neue Anforderungen. - Was gestern noch ganz toll funktioniert hat, paßt heute alles nicht mehr.


Arbeiten mit dem Strömungsabriß

Ziel einer gescheiten Landung ist es: Das auserwählte Landefeld (normalerweise der Flugplatz) bereits aus dem Queranflug heraus ohne Motorkraft sicher anzuschweben. Hierbei ist die Sinkrate und die Geschwindigkeit so zu wählen, das das Landefeld mit ausreichender Überfahrt erreicht wird. Kurz vor der Landung möglichst dicht über dem Boden auszuschweben, ohne diesen zu berühren. Dann innerhalb ca. 100 bis 150m mit dem Stömungsabriß sanft aufzusetzen und zum Stillstand kommen. - Und: Erst wenn das Flugzeug steht, ist die Landung beendet !


Und DAS alles auf 200m Maximum !

Ohne es zu wissen, sind diese Flugschüler / -innen nach ihrem 1. Alleinflug dann durchaus in der Lage, bei einem Punktlandewettbewerb richtig satte Punkte abzustauben. Dieses unerbittliche Training ist daher auch DER Garant dafür, das einem bei plötzlich auftretendem Motorausfall nicht gleich der Schweiß aus der Stirn läuft. Entscheidungen und Handlungen werden im Falle eines Falles völlig automatisiert abgespult.


Erst bei einem Motorausfall zeigt sich die wahre Qualität einer Flugausbildung.

Ist diese Landetechnik nach 400 bis 450 Starts und Landungen erst einmal drin, möchte es der Flugschüler / die Flugschülerin später als SPL-Inhaber / -in gar nicht mehr anders haben. Denn: Es dient nicht nur der eigenen Sicherheit, sondern auch der Sicherheit des späteren Passagiers und auch des Fluggerätes.